Das Eheseminar

Bereits im Beitrag zur Kirche, in der unsere römisch-katholische Trauung stattfinden wird, haben wir kurz erwähnt, dass hierfür im Vorfeld ein Eheseminar zu besuchen ist. In Wien werden diese grundsätzlich nur eintägig, und zwar samstags meist von 09:00 bis 17:00 Uhr angeboten. Einen Termin sollte man so schnell wie möglich reservieren und den Andrang nicht unterschätzen.

Es gehen viele Gerüchte herum, wie denn so ein Eheseminar abläuft. Man hört davon, dass Vorträge abgehalten werden, wie man die eigene Ehe zu führen hat oder dass von Blumen und Bienen gesprochen wird. Dementsprechend demotiviert waren wir vor dem Besuch des Seminars und hatten unsere eigenen Vorstellungen wie es denn werden würde.

Was haben wir uns erwartet und wie haben wir uns das Eheseminar vor dem Besuch vorgestellt?

Viele Paare, insgesamt um die 40 Personen, sitzen wie in einer Schulklasse aufgereiht nebeneinander und lassen sich von einem Vortragenden berieseln. Ein Priester / Pfarrer will uns vorschreiben, wie wir unser Eheleben führen sollen. Man stirbt vor Langeweile und weiß nicht, wie man die Stunden überstehen soll. Das Eheseminar ist ein lästiger Pflichttermin, den man schnell hinter sich bringen will. Auf dem Weg zum Veranstaltungsort, haben wir nochmals das Seminar gegoogelt und uns geärgert, dass nicht einmal ein Mittagessen inkludiert ist, obwohl wir einen Kostenbeitrag von EUR 49,- (pro Paar) leisten müssen. Dort angekommen wurde dieser Betrag sofort einkassiert und wir wurden in einen Raum geschickt, in dem bereits ein großer Sesselkreis vorbereitet war. Oh Schreck!

Wurden unsere Befürchtungen erfüllt? Nein, im Gegenteil, wir wurden positiv überrascht. Die negativen Erwartungen und das Gefühl sinnlos unsere Zeit zu verschwenden, blieben zum Glück aus.

Das Eheseminar wurde von einem sehr freundlichen und äußerst sympathischen Ehepaar namens Kraus geführt. Die beiden haben zwei Kinder, sind bereits seit 33 Jahren verheiratet und waren zuvor schon 7 Jahre lang ein Paar. Sie waren sehr offen und haben alle möglichen Erfahrungen aus ihrem Beziehungsleben mit uns geteilt. Uns hinzugezählt, haben insgesamt 9 Paare an dem Seminar teilgenommen. Es war alles kunterbunt durchgemischt, was das Alter, die Herkunft, den Wohnbezirk oder den Charakter der Teilnehmer betrifft. Einige Paare waren bereits standesamtlich verheiratet und wollten sich nun auch vor Gott das Ja-Wort geben. Auch Nachwuchs ist heutzutage vor der Ehe kein Tabu mehr, so durften wir ebenfalls unverheiratete Paare mit Kindern kennenlernen.

Zum Leid von Monika standen sehr viele Gruppenarbeiten und das Präsentieren dieser auf dem Tagesprogramm. Das Reden mit und in der Gruppe stand dabei im Vordergrund. Bereits zu Schulzeiten waren dies Aufgaben, die Monika nur ungern erledigte. Sie hat sich diesen aber tapfer gestellt und konnte sogar ein wenig mehr als sonst aus sich herausgehen.

Bei den unterschiedlichen Aufgaben, die Familie Kraus den einzelnen Gruppen gestellt hat, kamen wir durchwegs zu guten Ergebnissen. Das Hauptthema war Beziehung und Eheleben, also das Zusammenleben an sich. Es wurde aber auch über die Religion und den Glauben gesprochen und was die Ehe in Bezug auf das römisch-katholische Bekenntnis bedeutet. Insgesamt haben wir über alle Themen gesprochen, die das Miteinander als Paar bzw. Familie betrifft, was uns teilweise als konstruktive Anregung diente. So kamen auch Betrachtungen vor, über die man sich bis dahin noch keine Gedanken gemacht hat.

Während dem Ausarbeiten verschiedener Aufgaben und den anschließenden Diskussionen über die Ergebnisse, herrschte stets eine sehr positive, gut gelaunte Stimmung unter den teilnehmenden Paaren. Das Eheseminar ist unserem Erachten nach schnell vergangen und war im Gegensatz zu den zuvor befürchteten Erwartungen sehr kurzweilig und interessant. Das Ehepaar Kraus hat sich viel Mühe gegeben das Seminar so interessant, spannend und unterhaltsam wie möglich zu gestalten.

Uns hat es im Endeffekt sehr gut gefallen und wir würden jedem angehenden Ehepaar, das das Eheseminar in Wien zu absolvieren hat, empfehlen, einen Platz in der Gruppe von Familie Kraus zu bekommen. Hier profitiert man von jahrelanger Erfahrung, sehr offenen Erzählungen, amüsanten Gesprächen und anregenden Aufgaben bzw. Denkanstößen.

Abschließend erhält jedes Paar, das an der Veranstaltung teilgenommen hat eine Urkunde und damit auch die Bestätigung, die für die Aufnahme des Trauungsprotokolls in der Wohnpfarre, notwendig ist.

 

1 Comment

  • Inge Schilling

    29. Dezember 2015 at 9:48 Antworten

    Habe ich eben ausgedruckt, damit Erwin am Abend wieder eine „Gutenachtgeschichte“ zum Vorlesen hat

Post a Comment