Der Junggesellenabschied

Am Freitag, den 11. März machte sich eine feine Herrenrunde auf, die bevorstehende Hochzeit eines der Ihren zu nutzen, um gemeinsam ein Wochenende voll Spaß und Unterhaltung zu verbringen. Was nicht fehlen durfte waren natürlich ein auffälliger Look, unterhaltsame Aufgaben zum Gaudium des Volkes (Neudeutsch auch „Challenges“ genannt) sowie der notwendige Sprit. Der Ort des Geschehens blieb für den angehenden Bräutigam bis zuletzt ein großes Rätsel. Welche Stadt würden sie wohl mit ihrer übertrieben ausgelassenen Art und ohne jeglichen Genierer konfrontieren?

 

Tag 1 – Der sanfte Einstieg

Die Reise begann für mich am Freitagnachmittag in der U-Bahn, auf dem Weg zum neuen Wiener Hauptbahnhof. Hier wurde ich bereits von der ersten Schar gut gelaunter und bestens vorbereiteter Gesellen begleitet. Erst als jeder unserer zehnköpfigen Truppe eines der beiden reservierten Abteile im Zug bezogen hatte, war mir klar, Ziel der Reise ist die Hauptstadt unserer ungarischen Nachbarn – Budapest.

Reisetipp #1

Es braucht zwei Dinge um eine zweieinhalb Stunden lange Zugfahrt wie im Flug vergehen zu lassen: (1) eine hochmotivierte, amüsante Runde und (2) Gin Tonic, um die Kehlen zu ölen!

In Budapest angekommen marschierten wir sogleich zu unserer Unterkunft. Ein Hostel welches sich durch seine Geräumigkeit und zentrale Lage auszeichnen sollte. Nachdem uns der große Hunger bereits quälte, verloren wir keine Zeit und machten uns nach Bezug der Zimmer auf die Jagd. Die große Ausbeute: Das Restaurant Pampas. Ein, wie sich herausstellen sollte, äußerst empfehlenswerter Ort für wahre Steak-Aficionados. Wer sich hier für das 300g Steak statt für jenes, das 480g auf die Waage bringt entscheidet, bereut es im Nachhinein!

Reisetipp #2

Long Island Iced Tea passt einfach zu jedem Gericht – Pálinka, der ungarische Obstbrand, nicht.

Gestärkt schmissen wir uns in das Budapester Nachtleben und in einen äußerst gut besuchten Club, dessen Namen ich nicht mehr rekapitulieren kann (das muss wohl an der schwierigen ungarischen Sprache liegen). Als ich Stunden später in meinem Bett lag, schlief ich mit der Gewissheit ein, dass dies erst der harmlose Anfang war…

 

Tag 2 – Der Großkampftag

Kaum den Schlaf aus den Augen gerieben erwartete mich am Samstagvormittag die erste Überraschung: Niki hatte aus den USA für jeden einen Jumpsuit in der Optik eines Smokings importiert. Was normalerweise als Pyjama für die eigenen vier Wände gedacht war, sollte nun also unser aller Outfit für den Tag sein! Als gefeierter Junggeselle wurde mein “Onsie“ noch mit einem alten, bereits in Mitleidenschaft gezogenen Zylinder sowie einer äußerst sympathisch wirkenden Elvis-Brille (Koteletten inklusive!) veredelt.

Fertig adjustiert, wurde das Programm für den Tag bzw. der Rahmen des geplanten Rollenspiels grob umrissen. Ich sei der Chef eines Unternehmens und meine Begleiter die Aktionäre, die ich zufriedenzustellen hätte. Gemessen würde die Zufriedenheit der Aktionäre stilecht anhand des Aktienkurses. Durch die erfolgreiche Erfüllung von Aufgaben könne ich die Aktionäre zufriedenstellen und den Kurs des Unternehmens steigern.

So machten wir uns also auf, um die Straßen von Budapest unsicher zu machen. Es folgt nun eine Auflistung einiger mehr oder weniger sinnstiftender Aufgaben, die ich im Laufe dieses Tages mehr oder weniger zufriedenstellend absolviert habe:

  • Ich versuchte mich als Aushilfskellner im Hard Rock Café Budapest, bis ich vom Supervisor freundlich darauf hingewiesen wurde, dass sie keine Aushilfskraft benötigen um den Betrieb am Laufen zu halten.
  • Durch persönliches Engagement und der Ausgabe von handsignierten Autogrammkarten konnte ich meine Popularität in Budapest immens steigern. Wenn ihr Budapest einmal besuchen solltet, schaut doch bei dem Souvenirshop am Hauptplatz vorbei. Mein Abbild wird euch dort gut sichtbar entgegen grinsen. (Eine verlässliche Quelle bestätigte dies drei Tage nach unserem Besuch.)
  • Ich konnte für meine Jungs sagenhafte 1.000 Forint einsammeln indem ich beim Straßentanz inklusive Street Dance Battle (!!!) alles gegeben hatte.
  • Ich gewann (einmal) und verlor (alle weiteren Male) im liebevoll nachgebastelten Zwergenwerfen, welches durch den Film „Wolf of Wall Street“ bekannt geworden ist.
  • Ich holte für meine hungrige Truppe 10% Rabatt bei einem Straßenverkäufer für Baumkuchen heraus – den Aktionären war das jedoch zu wenig.
  • Ein (!) deutscher Typ freut sich heute noch des Lebens über seine blitzblank geputzten weißen Converse, alle Einheimischen lehnten dieses hervorragende Schuh-Putz-Service leider ab.

Reisetipp #3

Ungarn putzen sich ihre Schuhe lieber selbst, besser die Finger davon lassen!

Nach einem „arbeitsreichen“ Tag zogen wir uns zurück ins Hostel und gönnten einigen Aktionären eine Ruhepause, bevor wir für den Abend noch einmal loszogen. Nach einer kurzen Auslüftungsphase und erneut eingekleidet in unseren eleganten Anzügen, besuchten wir das Restaurant ARAZ. Ein elegantes Innenstadt-Restaurant, wo wir bei Livemusik speisten wie Gott in Frankreich! Nach einer missglückten Keyboard-Einlage von mir und einer sehr ansprechenden Vorstellung, aber vor allem Rettung von Flo, ging es weiter ins Szimpla – einer der bekannten „Ruined Pubs“ von Budapest. Dort wartete die spontan auserkorene, jedoch physisch anspruchsvollste Challenge auf mich. Auf einem eigenen Floor waren auf einer Bühne zwei Rennräder aufgestellt, die mit einem Simulator verbunden waren. Der Reihe nach duellierten sich tapfere Helden unter Anfeuerungsrufen des Moderators darum, wer 500 fiktive Meter schneller zurücklegen kann. Nach 35 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h war alles vorbei. Ich gab alles; gegen den athletischen und gut trainierten Sigi war an diesem Abend jedoch kein Gras gewachsen. Da half auch das Doping davor nichts, Absinth ist an dieser Stelle nicht zu empfehlen. Nach einer wohltuenden Erholungspause schritt der Abend munter voran. Wir zogen von Club zu Club. Dass uns ein Türsteher wegen unseres gediegenen Zwirns nicht reinlassen wollte, nahmen wir mit Humor.

Reistipp #4

Für manche Spelunken ist man einfach overdressed, man sollte stets ein Notfall-Outfit „darunter“ tragen.

Spätnachts gaben wir uns mit dem Erreichten zufrieden und ließen der Budapester Nacht ihre Ruhe. Ich schlief mit dem guten Gefühl ein, einen unvergesslichen und unterhaltsamen Tag im Kreise von super Kumpels verbracht zu haben.

 

Tag 3 – Die Entschleunigung

Der Sonntag stand im Zeichen der Abreise. Doch einen krönenden Abschluss hatte Niki noch vorbereitet: Escape the room! Und das in der, wie mir gesagt wurde, Geburtsstätte dieses Trends. Ganz kurz erklärt, geht es bei Escape the room darum, als Gruppe eine Reihe von Rätsel zu lösen um einen Raum verlassen zu können. Dabei gibt es unterschiedliche Umstände, Ausstattungen, Geschichten und Schwierigkeitsgrade. Zu viert ist es uns gelungen, den legendären White Room in der Hälfte der vorgegebenen Maximaldauer und nur 4 Minuten über dem Rekord zu lösen. Nicht auszudenken, wie schnell wir ohne dem Feiern der Vortage gewesen wären. In der zweiten Gruppe war es unser Ziel, aus einer Gefängniszelle zu entkommen. Auch das gelang dank hervorragender Teamarbeit. Mehr Details möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten! 🙂

Nachdem schließlich alle wieder fit genug waren, die Heimreise anzutreten, machten wir uns auf zum Bahnhof und verabschiedeten uns vom schönen Budapest. Irgendwann werde ich wieder kommen um mir diese schöne Stadt in Ruhe anzusehen.

Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass es ein ausgesprochen unterhaltsames „Polterwochenende“ war, das jedem gut in Erinnerung bleiben wird. Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können. Es waren vor allem die spontanen Einfälle, die Situationskomik, die Dynamik der bunt zusammengewürfelten Truppe und die hervorragende Stimmung, die das Wochenende zu dem besonderen gemacht haben, welches es war.

Dieses gemeinsam erlebte Wochenende nimmt uns niemand mehr! 🙂

Danksagungen

Zuallererst gilt mein besonderer Dank Niki, der die Strapazen einer sicherlich nicht immer leichten und zeitintensiven Organisation auf sich nahm und als treibende Kraft einen genialen Junggesellenabschied auf die Beine gestellt hat. Vielen Dank dafür!

Danke auch an Philipp, Sascha und Flo für die äußerst kreativen Einfälle, die mühsamen, aber sehr gelungenen Bastelarbeiten und das Festhalten der wichtigsten Eindrücke!

Und schließlich möchte ich allen Teilnehmern dafür danken, dass sie als gut gelaunte Truppe für jeden Spaß zu haben waren und für eine Mordsstimmung gesorgt haben!

2 Comments

  • Philipp

    30. Mai 2016 at 13:38 Antworten

    Es war so schön!

  • Barbara

    23. März 2016 at 16:22 Antworten

    Wahnsinns-Outfit!!! Sehr schick und seeeehr mutig!!!

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