Die Bräuche & Sitten

Der Polterabend

Ursprünglich wurde dieser vom angehenden Brautpaar zusammen vor dessen Heirat gemeinsam mit Freunden und Verwandten gefeiert. Diese wurden allerdings nicht direkt dazu eingeladen, das Pärchen hat lediglich den Termin bekannt gegeben.

Bei den Feierlichkeiten wurde mitgebrachtes Porzellan sowie Steingut zerbrochen, um dem Paar das gute Gelingen ihrer zukünftigen Ehe zu wünschen, denn Scherben bringen Glück. Neben dem Hinwerfen des „alten Geschirrs“ wurden die Gäste verköstigt und es wurde neben Musik zum Tanzen auch mit Spielen und Scherzen für gute Unterhaltung gesorgt.

Die traditionelle Form des Polterabends besteht weiter, wird aber zunehmend durch die globalisierte, aus dem angloamerikanischen Kulturraum stammende Form des Junggesellenabschieds ergänzt oder gar ersetzt.

 

Der Junggesellenabschied

Im Gegensatz zum Polterabend wird bei diesem Anlass getrennt vom jeweiligen Partner aber ebenfalls vor der Hochzeit (geschlechtergetrennt) gefeiert. Oft trägt die feiernde Gesellschaft ähnliche Outfits oder das gleiche T-Shirt (mit einem bestimmten Motiv) um zu zeigen, dass sie zusammengehören und etwas zu feiern haben.

Heutzutage wird eher von den weniger attraktiven Sauftouren und dem Herumziehen mit einem Bauchladen in der Innenstadt abgesehen und mehr hin zu einem fest organisiertem Programm mit Ausflügen oder Feierlichkeiten in einem anderen Land tendiert, bei dem alle Mitwirkenden und Mitfeiernden, aber vor allem die angehende Braut bzw. der Bräutigam, unterhaltungstechnisch auf ihre Kosten kommen.

 

Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes und etwas Blaues

… soll die Braut am Tag ihrer Hochzeit tragen. Dieser Brauch stammt ursprünglich aus England: „Something old, something new, something borrowed, something blue and a lucky six-pence in your shoe.“ und wurde spätestens seit der Hochzeit von Prinz Charles und Diana auch im deutschsprachigen Raum immer beliebter.

Etwas Altes steht für das bisherige Leben der Braut vor der Ehe, etwas Neues als Symbol für das beginnende Eheleben der Braut. Das Geliehene symbolisiert Freundschaft und soll Glück in der Ehe bringen, die Braut leiht sich etwas von einer glücklich verheirateten Freundin. Etwas Blaues schließlich ist das Zeichen für die Treue. Der Glückspfennig im Schuh soll für den Wohlstand dienen, dieser Punkt fällt aber meistens weg, weil „a lucky six-pence in your shoe“ nicht mehr in jedem Land zur Überlieferung herangezogen wurde.

 

Der Brautschleier

Der weiße Schleier der Braut symbolisierte die Jungfräulichkeit dieser und war früher der einzige weiße Bestandteil ihrer Garderobe. Es war damals üblich im „Sonntagsgewand“ zur Heirat zu gehen, welches traditionellerweise schwarz war.

Erst viele Jahre später wurde weiß auch für die Farbe des Brautkleides übernommen, wobei der Schleier trotzdem beibehalten wurde. Diesen trug die Braut bis Mitternacht, von diesem Zeitpunkt an war sie dann keine Braut mehr, sie war jetzt Ehefrau.

Hierauf folgt ein weiterer Brauch. Der Braut wird der Schleier nicht einfach abgenommen, stattdessen wird um Mitternacht der Schleiertanz veranstaltet. Hierbei tanzt die Braut alleine, umgeben von allen unverheirateten Frauen der Hochzeitsgesellschaft, von denen jede beim Tanzen versucht, ein Stück vom Schleier abzureißen. Wer zum Schluss das größte Stück des Schleiers in den Händen hat, soll dem Brauch nach die nächste Braut sein.

 

Der Brautstrauß

Er hatte früher mehr einen praktischen als einen optischen Zweck. Damals legte man noch nicht so viel Wert auf Körperhygiene wie heute. Um dem lästigen Körpergeruch, welcher sich in der Kirche oftmals mit dem des übermäßig eingesetzten Weihrauches vermengte, entgegen zu wirken, wurde mit Blumen dekoriert. Der „Duftstrauß“ der Braut diente rein dazu, dass diese davor bewahrt wurde aufgrund der unangenehmen Geruchsentwicklung während der Trauung in Ohnmacht zu fallen.

Laut Tradition ist es die Aufgabe des angehenden Bräutigams, den Brautstrauß für die Trauung zu besorgen und diesen der Braut vor der Kirche zu überreichen.

Noch heute gibt es neben dem Schleiertanz einen weiteren Brauch, an dem sich alle unverheirateten Frauen beteiligen, den Brautstraußwurf. Die ledige weibliche Hochzeitsgesellschaft versammelt sich und wartet darauf, dass die frisch vermählte Frau ihren Brautstrauß kopfüber in die Menge wirft. Diesen Strauß zu fangen ist sowohl in Mitteleuropa als auch in Amerika das Omen für eine bald bevorstehende Hochzeit.

 

Das „Reis werfen“

Nach der Trauung stellt sich ein Teil der Hochzeitsgesellschaft im Spalier vor dem Kircheneingang auf und empfängt das frisch vermählte Paar. Dabei werfen die Gäste mit Reis, was für die Wünsche einer fruchtbaren und kinderreichen Ehe stehen soll.

Heutzutage sieht man davon ab, da es aus moralischen und solidarischen Gründen in Bezug auf den Hunger in der Welt, eher verpönt ist. Als nette Alternative dafür, dienen Seifenblasen und/oder Rosenblütenblätter. Manchmal lässt man auch gemeinsam Helium-Luftballons, als Zeichen für die Träume und Wünsche des Brautpaars, die in Erfüllung gehen sollen, steigen.

 

Die Hochzeitstorte

Zumeist ist diese mehrstöckig und sehr aufwendig mit Zuckerguss und/oder Marzipan verziert. Oftmals mit typischen Hochzeitsmotiven wie Herzen, Rosen oder Ringen verziert soll sie neben der geschmacklichen Komponente der Hochzeitsgesellschaft auch einen Augenschmaus liefern.

Ein typischer Brauch ist es, dass das Brautpaar die Torte gemeinsam anschneidet. Hierbei ist darauf zu achten, von welchem Ehepartner die Hand direkt auf dem Griff des Tortenmessers liegt und wer die Hand auf der des Partners hat. Man sagt dieser Tradition nach, dass derjenige, der die Oberhand beim Anschnitt der Hochzeitstorte hat, auch die Oberhand in der Ehe behalten wird.

 

Quellen zu den oben beschriebenen Bräuchen und Sitten können wir leider keine spezifizieren. Wir haben immer wieder im Internet recherchiert als diese zum Thema wurden bzw. als wir selbst zu Hochzeiten eingeladen waren oder als dies Gegenstand in einer Diskussion wurde. Ebenso haben wir viel durch Mundpropaganda, also lediglich durch Hören-Sagen, erfahren.

Natürlich übernehmen wir keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Angaben, da Details eventuell durch tatsächliche Überlieferungen und/oder historische Tatsachenberichte widerlegt werden könnten.

Trotzdem fanden wir es nett, euch zumindest die Grundgedanken und die Betrachtungsweisen von einigen der bekanntesten Bräuche und Sitten einer Hochzeit näher zu bringen.

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